Möwen attackieren Wale für deren Speck
Das denken sich wohl auch zunehmend Möwen. Warum soll ich Zeit darauf verschwenden mir selber einen Fisch im Meer zu suchen, wenn die Fischer ihre leckeren Abfälle doch immer gleich über Bord werfen und ich sie dann nur noch rausfischen muss?
Oder noch besser: Flieg ich einfach diesen großen weißen Dingern hinterher, da bewerfen mich diese komischen Zweibeiner mit mehr Brot und anderem Gebäck, als ich essen kann.

(jeck_crow@flickr)
Weltweit haben Möwen wohl gelernt, dass sie von Passagieren auf Fähren eine relativ einfach zu bekommende Brotzeit erhalten. Und das zu festen Zeiten, so dass man sich schön danach richten kann.
Besonders spannend finde ich bei so etwas immer die Frage, wie das ganze seinen Ursprung nahm, bzw. wie sich das unter den Möwen "herumgesprochen" hat. Hat jede einzelne Möwe einmal selbst die Erfahrung gemacht, dass auf Fähren mit Gebäck herumgewedelt wird, oder haben sie erfahrene Möwen dabei beobachtet und es ihnen nachgetan?
Klassisches Beispiel sind Blaumeisen, die gelernt haben ein Loch in den Deckel von Milchflaschen vor den englischen Haustüren am Morgen zu picken und den Rahm zu trinken.
Eine argentinische Möwenpopulation hat in den letzten 30 Jahren wohl eine weitere Nahrungsquelle aufgetan, über welche die BBC gestern mit einer Bildserie berichtet hat:
Möwen vor der Küste Argentiniens attackieren Wale indem sie auf ihren Rücken landen und dann deren Haut aufpicken um an den Walspeck zu kommen.
Dieses Verhalten wurde wohl schon vor rund 35 Jahren zum ersten Mal beobachtet. Damals lag der Anteil der attackierten Wale aber noch bei ca. 1%, heute bei 78%!
Die Wale tragen dabei dutzende offene Wunden davon, manche mit einem Durchmesser von bis zu einem halben Meter. Bis zu einem Drittel ihrer Zeit verbringen die Wale deshalb mittlerweile mit Ausweichmanövern, was energetisch sehr kostspielig ist.
Da die Möwen bevorzugt Walkühe und ihre Kälber angreifen, haben die Kühe weniger Zeit sich um den Nachwuchs zu kümmern, was sich unter Umständen bereits in der höheren Zahl toter, bzw. sehr dünner Kälber in den letzten Jahren niedergeschlagen haben könnte.
Es wird vermutet, dass durch die Fischerei (und die dabei anfallenden Fischabfälle) in dieser Gegend in den letzten Jahrzehnten immer mehr Möwen in dieses Gebiet gelockt wurden und sie schließlich Wale als schwimmende Speck-Buffets erkannt haben.
Da diese Attacken immer weiter zunehmen, und befürchtet wird, dass die Walpopulationen ernsthaften Schaden nehmen könnten, wird jetzt überlegt die Möwen abzuschießen.
Vielleicht ist das Verhalten der Möwen ja auch nur die Rache für Orcas, die Möwen erst mit erbrochenem Fisch anlocken und dann fressen ;-)

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