DNA-Isolation
DNA aus Zellen zu isolieren - das ist bestimmt ganz schön kompliziert, oder? Nö! Man kann auch in der eigenen Küche mit relativ einfachen Mitteln DNA, zum Beispiel aus Obst oder Gemüse, extrahieren. Hier beschreiben wir wie das geht.
Einleitung
Vor einiger Zeit schon bin ich auf die Seiten des Genetic Science Learning Center der University of Utah gestoßen, vor allem durch deren Podcast BioBits. Auf diesen Seiten findet sich auch eine Anleitung, wie man relativ einfach aus etwas lebendem die DNA extrahieren kann, und das Ganze vor allem daheim, in der eigenen Küche. Da ein Leser/Hörer jetzt hier im Forum die Frage gestellt hat, wie man denn aus Zellen die DNA gewinnen kann, dachte ich mir, dass dies ein guter Anlass sei, das mal selbst in der Küche auszuprobieren und damit die Kategorie Küchenexperimente, und vor allem das Blog selbst, einzuweihen. In dieser Kategorie wird es von Zeit zu Zeit immer wieder mal kleinere Experimente und Versuche geben, die man ganz einfach auch daheim nachmachen kann.Die Theorie
Die DNA einer Zelle befindet sich ja im Zellkern. Der Zellkern ist, wie die Zelle selbst, von der Zellmembran umgeben. Wie andere Biomembranen besteht sie hauptsächlich aus Lipiden und Proteinen.
(Quelle: Wikipedia (900x736 Pixel); GNU-Lizenz für freie Dokumentation)
Die Lipide haben einen hydrophilen (Wasser anziehend, in Wasser löslich) Kopf und einen lipophilen (Fett anziehend, in Fett löslich) Schwanz. Da sich die Lipide ja in einer wässrigen Umgebung befinden, bilden sie eine Doppelschicht, oder besser gesagt eine Doppellipidschicht, bei der die lipophilen Schwänze zueinander zeigen, und die hydrophilen Köpfe zu der wässrigen Umgebung.
(Quelle: Wikipedia; GNU-Lizenz für freie Dokumentation)
Um also an die DNA einer Zelle zu kommen, muss man erst mal an einzelne Zellen kommen, von diesen die Biomembranen der Zellen selbst und ihrer Zellkerne zerstören, und anschließend aus den ganzen Inhaltsstoffen die DNA herauspicken. Und das soll man wirklich in der eigenen Küche schaffen? Ja! Das ist in der Tat gar nicht so schwer!Die Zutaten
Diese Geräte und Zutaten braucht man:- Verschiedene "Reaktionsgefäße"
- DNA-Quelle
- Mixer
- Wasser
- Salz
- Spülmittel
- Das Enzym Papain
- Alkohol

1. Schritt: Mix it!
Zunächst mal muss man also an die einzelnen Zellen rankommen, das bedeutet, man muss sie aus ihren Zellverbänden lösen. Dazu verwendet man am besten einen handelsüblichen Mixer. In diesen schmeisst man die DNA-Quelle, streut eine Prise Salz darüber und gießt etwas Wasser dazu. Dann mixt man das Ganze schön durch, bis man eine schöne "Suppe" hat. Für meine zwei Tomaten habe ich 200 ml Wasser genommen, es hätten aber wahrscheinlich auch nur 100 ml oder sogar weniger gereicht, wie sich später herausgestellt hat. Bei der Wassermenge muss man immer ein wenig schauen, wieviel Wasser das Ausgangsmaterial schon enthält, und die Wassermenge dementsprechend etwas anpassen.
2. Schritt: Membranen zerstören
So, höchstwahrscheinlich hat man jetzt noch etwas größere Brocken in seiner Suppe. Diese Brocken filtert man raus, indem man die Suppe einfach durch ein feines Küchensieb fließen lässt. Jetzt muss man die Zellmembranen und die Kernmembranen der Zellen in dem Filtrat zerstören. Dies erreicht man mit einem Detergens. Detergenzien (waschaktive Substanzen) setzen zum einen die Oberflächenspannung von Wasser herab und binden vor allem Fette, weshalb sie eben in Reinigungsmitteln enthalten sind. Durch die ähnliche chemische Struktur der Detergenzien und der Lipide in den Biomembranen, können Detergenzien die Membranen "aufbrechen", indem sie sich mit den Lipiden zu Kugeln (Micellen) zusammenlagern. So wird der Inhalt der Zellen und der Zellkerne freigegeben.
(Micelle; Quelle: Wikipedia)


3. Schritt: DNA abtrennen
Nachdem die Membranen beseitigt wurden hat man nun ein Gemisch aus Proteinen, Kohlenhydraten und eben DNA in seiner Suppe. Die DNA ist im Zellkern um bestimmte Proteine, die sogenannten Histone gewickelt. Da man ja nur die DNA extrahieren will, muss man diese Proteine irgendwie loswerden. Das macht man mit Enzymen, die diese Proteine zerschneiden. Ein solches eiweißspaltendes Enzym (Peptidase) ist zum Beispiel Papain, das in großen Mengen in den Kernen von Papayafrüchten vorkommt. Aufgrund seiner Wirkung wird es als Zartmacher für Fleisch verwendet. "Fleischzartmacher" findet man in größeren Supermärkten bei den Gewürzen, und die Menge des darin enthaltenen Papains reicht für unseren Versuch vollkommen aus. Einfach eine Prise, oder eine Messerspitze, davon in das Reagenzglas schütten und ganz vorsichtig umrühren! Die DNA-Moleküle liegen als langer Strang vor (insgesamt ca. 1,8 Meter pro Zelle!), und wenn man nun zu sehr rührt, dann reißen diese Stränge auseinander und man hat nur noch kleine DNA-Fetzen, die man anschließend nicht mehr so gut sehen kann. Jetzt hat man zwar die DNA von den Histonen befreit, aber wie kann man die jetzt aus diesem Gemisch in dem Reagenzglas herausfischen? Das kann man ganz einfach erreichen, indem man nun vorsichtig Alkohol in das Reagenzglas gibt. Dazu das Glas etwas schief halten und den Alkohol langsam einfliessen lassen.

Nachbetrachtung
In meinem Versuch mit den Tomaten habe ich wohl am Anfang zu viel Wasser in den Mixer gegeben. Da die Tomaten selber schon viel Wasser enthalten, war meine Suppe nach dem Sieben sehr dünn, es war also nicht viel DNA enthalten. Daher müsst ihr ein wenig ausprobieren wie viel Wasser ihr beim Mixen zugeben müsst. Am besten ist es, wenn man durch die gefilterte Suppe nicht hindurchschauen kann. Bei meiner Tomatensuppe konnte man das allerdings ohne Probleme. Ich hab das Ganze dann auch noch mit zwei Zwiebeln gemacht. Im ersten Versuch mit den Tomaten hatte ich Isopropyl-Alkohol (70%) aus der Apotheke verwendet. Da den aber wahrscheinlich nicht jeder zuhause hat, habe ich es bei den Zwiebeln mal mit Spiritus (94%) probiert, den vielleicht mehr Leute daheim haben. Damit ging es fast noch besser, wahrscheinlich deshalb, weil er weniger Wasser als der Isopropyl-Alkohol enthielt. Auch hier habe ich aber wohl zu viel Wasser erwischt, allerdings war meine Ausbeute bei den Zwiebeln doch höher, als bei den Tomaten.

Einen Moment bitte...
Kommentare (hinzufügen):
Einfach toll ! Ich wünsche mir mehr Versuche dieser Art ! :) Danke !
Hi!
Wir haben diesen Versuch im Unterricht auch durchgeführt. Allerdings verstehe ich nicht so ganz, was es mit dem Salz auf sich hat. Ich habe gelesen, dass es die Zerstöhrung der Membranen beschleunigt und die Löslichkeit der DNA, welche sonst klumpen würde erhöht. Stimmt das? Kann mir jemand sagen, wie das funktioniert?
Danke schonmal!!! Der Versuch ist wirklich sehr gut beschrieben und erklärt!!!
Liebe Grüße
geht der versuch eigentlich auch mit haaren oder so etwas??
In den Haaren selber ist gar keine DNA enthalten. Nur aus der Haarwurzel kann man DNA isolieren. Aber selbst wenn man viele Haare mit Haarwurzel zur Isolation benutzt, würe die Menge nicht ausreichen, damit die Ausfällung der DNA sichtbar wird. Auch für eine Gensequenzierung oder für den genetischen Fingerabdruck muss man die DNA zunächst stark vervielfältigen (PCR).
Moin!
Ein kleiner Tipp der dein Problem (mit zu viel Wasser) loesen sollte:
Schneide am Besten das komplette Innenleben der Tomate raus (das heisst, dieses waessrige im Inneren+die Kerne).. Das Ergebnis: Perfekte DNA-Straenge (Habe das Experiment leicht veraendert schon einmal durchgefuehrt)
Das Salz bewirkt folgendes:
Die Zelle nimmt es auf und somit erhöht sich ihr innerer Druck wass die Zerstörung durch Spüli oder auch waschmittel deutlich verinfacht ;)
hoffe ich konnte helfen =)
Ich find den Versuch hier Super beschrieben. Haben den so ähnlich im Unterricht versucht.
Nur ich würde gerne wissen wozu die einzelnen Materiealien benötigt werden also was die bringen
Danke im vorraus.
Kleiner Tipp: Wir haben diesen Versuch in Biologie mit Pfirsichen durchgeführt und damit gings noch besser !
Ansonsten kann ich den Versuch nur weiterempfehlen !
hallo ihr experimentierfreunde,
meine experimentierkollegin und ich haben diesen tollen versuch auch in unserer küche probiert-mit erstaunlichem ergebnis.
Es hat super funktioniert, sogar beim ersten mal schon!
WIr möchten uns für diesen schönen experimentiervorschlag beim ersteller bedanken und hoffen, dass weitere tolle experimente folgen.
Ich finde diese beschreibung auch sehr gut, weil du anders als viel andere Autoren, auch auf die Wirkung der einzelnen Stoffe eingehst.
Also ein sehr gelungener Beitrag von denen es mehr geben sollte.
Danke!
Moin moin. Wir hatten diesen Versuch in der Schule durchgeführt. Er war teils erfolgreich, doch nun haben wir die Aufgabe bekommen, herrauszufinden auf welche Art und Weise das Salz , der Mixxer,das Spülmittel und der Alkohol nötig führ dieses Experiment sind. (bzw. welche Funktion sie haben) würde mich über eine schnelle Rückmeldung freunen.--> Hausarbeit bis zum 11.3.2010. danke im vorraus.
Wow du bist echt intelligent, finde es super wie du alles geschildert hast , ein toller Versuch!!
Ich hab das Bedurfnis mich für diese Versuchsbeschreibung mal zu bedanken! IIch schreibe meine Facharbeit über dieses Thema. Habe vorher mit anderen Beschreibungen gearbeitet und war schon verzweifelt, weil es immer wieder schief ging. Bei dieser Beschreibung funktionierte es schon beim ersten Mal! Vielen Dank
Hallo,
toller Versuch, nur habe ich eine frage: Was bewirkt das Salz, dass Sie bereits am Anfang zu der DNA-Quelle hinzugeben?
cooles Experimen, wünsche mir mehr von dieser art