La-Ola-Wellen und heiße Bälle
La-Ola-Wellen
Im Gegensatz zu unserer europäischen Hongbiene (Apis mellifera) nisten einige asiatische Arten im Freien (z.B. Apis dorsata). Sie basteln ihre Waben also nicht in einem ausgehöhlten Baumstamm oder Ähnlichem, sondern legen ihre Waben quasi freischwingend an einem Ast an. Darauf tummeln sich dann die ganzen Arbeiterinnen und auch die Königin des Bienenvolkes. Auf diesem Bild sieht man, das auch mehrere solcher Nester am gleichen Ast hängen können. Man kann sich das Ganze also in etwa wie einen Bienenschwarm bei uns vorstellen, der sich auf der Suche nach einem neuen Nest erstmal an einem Ast niederlässt.
Diese freinistenden Arten zeigen bei Gefahr ein Verhalten, dass in der Tat eine gewisse Ähnlichkeit mit einer La-Ola-Welle in einem Fußballstadion hat.
Bemerkt eine Arbeiterin zum Beispiel eine Hornisse, die dem Nest bedrohlich nahe kommt, dann hebt sie blitzartig ihren Hinterleib in die Luft und senkt ihn genauso schnell wieder. Die Bienen in ihrer direkten Nachbarschaft folgen daraufhin ihrem Beispiel, gefolgt von den Bienen in deren Nachbarschaft und so weiter. So breitet sich eine sich wiederholende schimmerende Welle über das gesamte Nest aus [1]. Zusätzlich zum Heben des Hinterleibs schlagen die Bienen auch noch einmal kurz mit ihren Flügeln, wodurch ein bedrohliches Surren produziert wird.
Dieses beeindruckende Verhalten dient vor allem der Abschreckung von fliegenden Räubern wie Wespen und Hornissen.
Dicke Brummer
Die, sprichwörtlich, größte Bedrohung für Bienen in Asien stellt die Asiatische Riesenhornisse (Vespa mandarinia) dar. Tiere dieser Art können eine Flügelspannweite von bis zu 76 mm und eine Körperlänge von bis zu 45 mm erreichen [2]. Sie sind den Bienen damit körperlich deutlich überlegen und können in einer Bienenkolonie einen sehr großen Schaden anrichten.
So reichen zum Beispiel nur knapp 30 Hornissen aus, um in 3 Stunden etwa 30.000 westliche Honigbienen zu killen [3]. Apis mellifera wird auch in Asien zur Honigerzeugung eingesetzt, da die einheimischen Bienen deutlich weniger Erträge liefern. Dazu werden auch dort mehrere Stöcke nebeneinander aufgestellt. Da unsere Honigbiene aber hier in Europa diesen Riesenhornissen im Laufe der Evolution nie ausgesetzt war, hat sie keinerlei Abwehrmechanismen gegen diese Hornissen entwickelt, weshalb sie den Hornissen bei einem solchen Gemetzel mehr oder weniger hilflos ausgesetzt sind.
Anders die asiatische Art Apis cerana, die eine außergewöhnliche Taktik gegen diese Hornisse entwickelt hat.
Heiße Bälle
Apis cerana haust, wie unsere Honigbiene, in Hohlräumen. Bemerken Arbeiterinnen eine Hornisse am Nesteingang, dann geben sie ein Alarmpheromon ab, welches die anderen Bienen im Stock alarmiert. Doch anstatt sich gleich auf die Hornisse zu stürzen und sie zu stechen, locken sie die Hornisse geradezu in den Stock, beziehungsweise, sie hindern sie zunächst in keiner Weise daran.
Im Stock kommt es dann schlagartig zur Attacke. Dutzende von Bienen stürzen sich auf den Eindringling. Doch nicht um diesen zu stechen, nein, sie formen vielmehr einen Ball von Bienen um die Hornisse.

Bienen der Art Apis cerana japonica formen einen Hitzeball um 2 Hornissen. Dieses Bild basiert auf dem Bild Honeybee thermal defence01.jpg aus der freien Mediendatenbank Wikimedia Commons und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Takahasi.
Durch die Bewegungen und Vibrationen der Bienen heizen sich deren Körper schnell auf. In der Mitte des Balles wird es dadurch sehr schnell sehr heiß. Bis zu 47 °C. Zu heiß für die Hornisse. Diese Hornissenart verträgt nämlich nur Temperaturen, bis ca. 45 °C. Bei Temperarturen darüber sterben sie aufgrund von Überhitzung. Die Bienen hingegen können kurzzeitig Temperaturen bis 50 °C tolerieren [1-2].
Durch diese Taktik gelingt es den asiatischen Bienen oft bereits die ersten Scouts der Honrissen unschädlich zu machen und sie steigern so die Chance länger unentdeckt zu bleiben.
Quellen:
[1] Asian Honey Bees - Biology, Conservation and Human Interactions. Oldroyd, Benjamin P. & Wongsiri, Siriwat. Harvard University Press, 2006. ISBN 0674021940
[2] Vespa mandarinia - Wikipedia.de
[3] Buddha, Bees and the Giant Hornet Queen. Natural World, BBC 2, 25.04.2007

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